Krankenhäuser am Scheideweg
Die Alarmsignale im Gesundheitswesen werden lauter. Mehr als 40 Klinikpleiten bundesweit, 1,1 Milliarden Euro Defizit bei Hessens Krankenhäusern und die Prognose für 2024 verheißt mit zehn weiteren drohenden Pleiten nichts Gutes. Das klingt nach trockenen Zahlen, aber es geht um die medizinische Versorgung direkt vor unserer Haustür.
Fulda steht dabei gut da – noch. Mit dem Klinikum Fulda und dem Herz-Jesu-Krankenhaus haben wir zwei starke Partner, die sich ergänzen. Allein bei den Notfällen wird das deutlich: 22.000 Patienten versorgt das Herz-Jesu jährlich, das entspricht einem Drittel aller Notfälle in der Region.
„Gesundheit ist keine Postleitzahlen-Lotterie. Wer auf dem Land lebt, darf nicht zum Patienten zweiter Klasse werden.“
Diese bewährte Arbeitsteilung funktioniert. Doch die Pläne aus Berlin drohen alles auf den Kopf zu stellen. Ein Beispiel macht die Realitätsferne deutlich: Künftig sollen Notaufnahmen fünf Fachärzte vorhalten, drei davon mit einer Zusatzqualifikation, die es erst seit 2019 gibt. In ganz Hessen haben gerade mal 18 Krankenhäuser überhaupt drei solche Spezialisten.
Die Folge wäre dramatisch: Von 87 hessischen Notaufnahmen müssten 40 schließen. Das Herz-Jesu zeigt dabei eindrucksvoll, wie moderne Versorgung aussieht: Von der Geriatrie über die Geburtshilfe bis zur Notfallmedizin deckt es mit über 1.000 Mitarbeitern zentrale Bereiche ab. Jährlich vertrauen 42.000 Patienten auf diese Kompetenz.
Was wir jetzt brauchen, ist keine Planwirtschaft aus Berlin, sondern eine Reform, die unsere gewachsenen Strukturen stärkt. Solide Finanzierung statt bürokratischer Hürden, realistische Personalvorgaben statt praxisferner Standards.
Fulda braucht beide Kliniken – sie sind keine Konkurrenten, sondern Partner für die Gesundheit unserer Bürger.
Krankenhausversorgung ist zu wichtig für parteipolitische Spielchen. Hier müssen alle demokratischen Kräfte zusammenstehen.

